Gesellschaft für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V.

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AQUARIANER = ARTENKILLER?

Der Stellenwert von Aquaristik und Terraristik beim Artenschutz

Mit schöner Regelmäßigkeit, meist im ansonsten nachrichtenarmen "Sommerloch", wird in den Medien die Mär von der Bedrohung von Tier- und Pflanzenarten durch verantwortungs- und gewissenlose Exotenhalter ausgegraben. Dann wird mit ungeheuren Zahlen jongliert, deren Quellen in aller Regel nicht bekannt gegeben werden und - das ist charakteristisch für diese Art der Berichterstattung - ein kruder Mix aus tierschutzrelevanten Themen (Transport, Quarantäne, Möglichkeit artgerechter Haltung, Sterbequoten, etc.), umweltschutzrelevanter Themen (z.B. Fang von Korallenfischen mit Gift) und dem Spiel mit menschlichen Urängsten (die potentielle Gefahr durch entwichene oder ausgesetzte Giftschlangen, Krokodile, Skorpione etc.) präsentiert. Am Ende dieses Horrorszenarios sind Aquarianer und Terrarianer dann als in mafiösen Untergrundbewegungen straff organisierte Raritätenjäger dargestellt, deren einzige Lebensaufgabe darin zu bestehen scheint, seltene Tiere und Pflanzen durch rücksichtsloses Nachstellen an den Rand der Ausrottung zu treiben und sie in finsteren Kellern unter grausamen Bedingungen langsam zu Tode zu foltern.

 

Wie kommt es nur, so fragten sich die Mitglieder der HOTTONIA, dass es immer wieder zu solchen Berichten kommt? Obwohl seit Jahrzehnten täglich Tier- und Pflanzenarten auf diesem Planeten durch direkten Einfluss des Menschen aussterben ist noch keine einzige Fisch-, Amphibien- oder Reptilienart jemals durch den Fang für die Tierhaltung ausgerottet worden. Objektiv betrachtet spielen Aquaristik und Terraristik daher keine Rolle bei dem weltweiten Artensterben. Daher hat die HOTTONIA beschlossen, ihre diesjährige große Aquarien- und Terrarienausstellung diesem Thema zu widmen, um die Öffentlichkeit über die wahren Gründe des Artensterbens auf unserer Erde aufzuklären.

In zahlreichen Aquarien und Terrarien werden sowohl im Vereinsheim wie auch auf dem weitläufigen Vereinsgelände verschiedene Aspekte dieser Problematik abgehandelt:

- So wird gezeigt werden, dass es letztendlich immer die Zerstörung der natürlichen Lebensräume ist, die eine Art endgültig verschwinden lässt. Es wird z.B.aufgeklärt, welchen verheerenden Einfluss durch den Menschen eingeschleppte Fremdorganismen ("Alien species") auf die zum Teil hochkomplexen Ökosysteme haben.

- Die Möglichkeiten und Grenzen von Arterhaltungszuchten in Gefangenschaft werden in einem weiteren Teil der Ausstellung beleuchtet. Dabei wird gezeigt, dass Arterhaltungszuchten zwar prinzipiell möglich sind, jedoch nur bei kommerziell interessanten Arten Aussicht auf langfristige Realisierbarkeit haben.

- In einem weiteren Ausstellungteil wird erläutert, warum der Kauf von Wildfängen in vielen Fällen aktiver Artenschutz ist und warum Fang- und damit Handelsbeschränkungen aus Sicht des Artenschutzes kontraproduktiv sind.

- Die Zahlen exportierter Meeresfische für die Aquaristik werden in Relation zu den Zahlen der täglich im gleichen Gebiet zu Speisezwecken entnommenen Fischmasse gesetzt - dabei lernt man z.B., wie viele "Korallenfische" in einer einzigen Dose Thunfisch enthalten sind.

- Artenschützer weltweit sind sich einig: man kann nur schützen, was man kennt. Biodiversitätsforschung, also Erfassung der tatsächlich existierenden Artenfülle, muss daher an erster Stelle beim Artenschutz stehen. Höchstens 40% der wirklich existierenden Fischarten sind bisher der Wissenschaft bekannt geworden. Ein Teil der Ausstellung zeigt, dass im Bereich der Kleinfische ohne die Aquarianer in vielen Bereichen eine Biodiversitätsforschung kaum möglich ist!

Diese und viele weitere Aspekte des Artenschutzes werden ausführlich beleuchtet. Somit wird die große Ausstellung der HOTTONIA zu einer idealen Möglichkeit für alle am Artenschutz Interessierten, sich ausführlich über dieses schwierige Thema zu informieren. Die HOTTONIA plant auch, Gegnern der Tierhaltung die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt im Rahmen der Ausstellung zu vertreten. Darüber hinaus verspricht diese Ausstellung durch die Vielzahl schöner und seltener Arten, die gezeigt werden, aus rein ästhetischer und vivaristischer Sicht ein Hochgenuss zu werden.

Ausgestellt werden 20 Meerwasseraquarien zwischen 70 und 1.200 Litern Inhalt, 40 Warmwasseraquarien zwischen 20 und 2.400 Litern Inhalt, 20 Kaltwasseraquarien zwischen 60 und 500 Litern Inhalt, 4 Schauterrarien und die neu errichtete Spezialanlage für Sumpf- und Wasserschildkröten.

Die Austellung findet statt über Pfingsten 2004, also vom 28.5. - 31.5.2004, wobei Freitag, der 28.5. Schulen und der Presse vorbehalten bleibt. An den übrigen Tagen ist die Ausstellung von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Führungen finden in regelmäßigen Abständen statt. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 2,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr sind frei.